Gschichtln Dietmar Kieslinger  

„Ned da Virus, di Maskn bringt uns um!“

Szene

Der Kassenbereich eines typischen, österreichischen Supermarkts. Von den vier vorhandenen Kassen ist eine besetzt. Die charakteristische Schlage, den COVID19-Regeln entsprechend dünn aufgestellt, füllt den Bereich davor.

Cast

Eine Mitarbeiterin des Markts, die FFP2 Maske fast an der Nasenspitze aufgehängt (wohl um sie vom Makeup fern zu halten), zieht Waren gelangweilt über den Scanner.

Kunde A, Mittvierziger, kurzer Haarschnitt, kräftige Oberarme, Proteinriegel am Förderband.

Kundin B, Mittdreißigerin, offenbar Lebensgefährtin von Kunde A, ähnlich gestylt wie die Dame hinter dem Scanner. Zur Kleidung passendes, schwarzes Stofffetzelchen vor Mund und Nase.

Kunde A 
  Na des is kaum aus'zhoidn...
Mitarbeiterin (seufzend) 
  Ja, wirklich.
Kunde A (zieht sich die Maske wenige Zentimeter vom Gesicht) 
  I was ned, wi ma do Luft kriagn sui. 
Mitarbeiterin
  Ja, ich hab glesen, was man da alles bekommen kann. Wissn's, die Schleimhäute trocknen da aus. 
Kundin B
  Wie sie des den ganzen Tag ausholtn können. 
Mitarbeiterin
  Ja, ganz schwierig. Wegen den Schleimhäuten kann man dann Infektionen bekommen. 
Kunde A
  Wissns, i sog eana wos...
Mitarbeiterin
  Ja...
Kunde A
  Ned da Virus, di Maskn bringt uns um!

Kommentar

Das ist leider keine erfundene Geschichte sondern sondern persönlich miterlebte Realität. Ich gebe ehrlich zu, es regt mich auf. Wobei ich noch einigermaßen Verständnis für die Mitarbeiterin des Supermarkts aufbringe. 8+ Stunden mit Maske herumzulaufen ist wirklich nicht angenehm. Als begeisterter Heimwerker, der Mitleid mit seiner Lunge hat, verbringe auch ich hin und wieder Stunden hinter einer FFP2 Maske, ganz ohne Corona-Motivation. Wenn man zusätzlich noch körperlich anstrengende Arbeit verrichtet, kann schon mal die Puste knapp werden und irgendwann beginnt das Ding zu drücken, no matter what.

Die Verständnisdecke wird dünner, wenn ein scheinbar regelmäßig mit Gewichten beschwerter, nicht ganz Untrainierter beim Anstehen vor der Kassa über Atemnot klagt. Vielleicht tue ich doch einem schwer Asthmakranken unrecht? Theoretisch möglich, jedoch Zweifel bleiben.

Ich könnte auch noch die Frage aufwerfen, ob Styling oder Maskenpflicht wichtiger sein sollte. Interessiert mich aber weniger als die Frage, ob die Akteure wenigsten ganz kurz über das nachgedacht haben, was sie als Smalltalk von sich geben. Nein, „Smalltalk“ ist keine Entschuldigung für Stumpfsinn. Unter FFP2 schwitzt man tendenziell, da ist nichts mit austrocknen, auch nicht von besagten Schleimhäuten. Wenn man sich vor den eigen-emittierten Mikroorganismen fürchtet und diese lieber weit von sich pustet als in der (eigenen) Maske einzufangen – ja, dann hat man gleich zwei Probleme: Vielleicht ein gesundheitliches aber viel mehr das vollkommene Fehlen von Rücksicht dem Mitmenschen gegenüber.

Ich verstehe schon, dass man manchmal in heilloser Übertreibung behauptet etwas bringe einen um. Das Traurige hier ist aber, dass ein herzhafter Huster, wenn es „blöd hergeht“, wirklich jemanden umbringen kann. Selbst wenn der Angehustete nicht stirbt, sondern „nur“ ein Krankenhausbett oder vielleicht doch ein Intensivbett belegt – war’s nötig?

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